Einsatz für die Nordsee-Robben

Der IMMCS unterstützt das Robbenzentrum Föhr mit dem Segler Pegasus – Freiwillige Helferinnen und Helfer gesucht

Die in der Nordsee heimischen Robbenarten – Seehunde und Kegelrobben – geraten immer häufiger in Not. So verlieren etwa junge Seehunde durch menschliches Fehlverhalten den Kontakt zu ihren Müttern und werden zu hilfsbedürftigen Heulern. Auch die Umweltverschmutzung macht den Robben zu schaffen: In den vergangenen Jahren trat bei erschreckend vielen Tieren schwerer Befall von Lungenwürmern auf. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt; mögliche Auslöser können ein geschwächtes Immunsystem aufgrund von Gewässerverschmutzung sowie Nahrungsmangel durch die Überfischung sein.

Auf der Insel Föhr haben die Meeressäuger indes passionierte Unterstützer gefunden: Seit 2010 betreiben die Tierärztin Janine Bahr und der Wildtierexperte André van Gemmert das Robbenzentrum Föhr. Verletzte und geschwächte Tiere werden hier medizinisch versorgt und nach gelungener Rehabilitation ausgewildert. Besucher können sich in einer Ausstellung im Robbenzentrum über die Lebensweise und das Verhalten der Tiere im Wattenmeer informieren. Überdies widmen sich Janine und André der Erforschung der beiden Robbenarten in ihrem natürlichen Lebensraum.
Wir haben uns entschlossen, die vorbildliche Arbeit der Robbenschützer in diesem Sommer tatkräftig zu unterstützen. Von Mitte Juni bis 26. September wollen wir mit unserem Segelboot, der Pegasus, vor Ort sein und verschiedene Aufgaben erfüllen. Zum einen geht es um die Beobachtung der Robbenbänke: Von der Pegasus aus können die Tierärztin und der Wildtierexperte den Bestand der Tiere wie auch ihren gesundheitlichen Zustand begutachten.
Wenn eine Behandlung notwendig ist, können die „Patienten“ mit der Pegasus zum Robbenzentrum transportiert werden.
Zum Einsatz kommen wird die Pegasus auch bei der Erforschung der Robben und ihrem Verhalten im heimischen Wattenmeer. In Frage kommen das Gebiet der deutschen und niederländischen Wattenküste sowie das Hochseegebiet um Helgoland. Möglich sind auch Touren für ausgesuchte Gäste zu den Robbenbänken, um über die Tiere und ihre Situation zu informieren. Um die Meeressäuger nicht zu stören, sind dabei gewisse Verhaltensregeln zu beachten, die den Besuchern selbstverständlich vermittelt werden.
Beobachten möchten wir aber nicht nur die Robben, sondern auch die Aktivitäten der Seehundjäger! Denn in Schleswig Holstein ist noch ein – nach Ansicht vieler Experten fachlich längst überholtes – Robbengesetz in Kraft. Danach dürfen allein die Seehundjäger über Leben und Tod eines hilfsbedürftigen Tieres entscheiden. In der Praxis heißt das:
In 80 % der Fälle erschießen Seehundjäger die Tiere direkt vor Ort – ohne tierärztliche Untersuchung! Dass den 40 dort ehrenamtlich tätigen Seehundjägern die nötigen veterinärmedizinischen Kenntnisse fehlen, um den Zustand der Tiere beurteilen zu können liegt auf der Hand. Laut diesem zunehmend unter Kritik stehenden Gesetz macht sich die Tierärztin Janine Bahr sogar strafbar, wenn sie überlebensfähige Tiere in ihrer Praxis behandelt.
Wir wollen zur Rettung der überlebensfähigen Seehunde beitragen und werden deshalb ein wachsames Auge auf das Vorgehen der Jäger haben. Sollten Tiere abgeschossen werden, ist das Ziel, dies zu dokumentieren und gegebenenfalls zur Anzeige zu bringen. Unsere Aktivitäten werden sowohl an Land als auch auf See stattfinden. Dafür werden auch noch Helferinnen und Helfer gesucht, die uns von Mitte Juni bis 26. September hier unterstützen wollen. Spenden sind ebenfalls willkommen. Die Robben sagen danke!

 

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