Bericht Nr. 5: Die „offizielle“ Jagdsaison beginnt!

Erst ab ungefähr Anfang Juni zählen die getöteten Zwergwale für die Quote. Vorher dürfen die Walfänger so viele Zwergwale fangen, wie sie wollen, ohne dass dies auf die Quote angerechnet wird. Die Quote beträgt in dieser Saison 880 Zwergwale (in der vergangenen Saison war die Quote mit 1286 deutlich höher). Unseren Informationen zufolge wurden bisher rund 300 Zwergwale getötet.

13. Juni: In Svolvaer ist es ruhig. Die Nystrand war auf der Jagd, kehrt aber ohne Wale getötet zu haben zurück nach Röst. Die Nordfangst befindet sich noch immer an der Werft in Svolvaer.

14. Juni: Wir finden bedenkliche Mengen Walblubber (wahrscheinlich mit Quecksilber und PCBs kontaminiertes Walfett) vor der Fabrik Lofothval AS in Svolvaer. Eines davon haben wir untersucht und entsorgt.

Mittags kommt es zu einem Konfliktgespräch mit Rune Frovik, dem Inhaber der Walfleischfabrik. Er erklärt uns, dass es eine natürliche Art des Recyclings sei, Walreste wieder ins Meer zu werfen. Da der Ozean ja groß sei, wäre die Belastung nicht so hoch! Bei der Frage nach der Quote und der Feststellung, dass ja immerhin 1 Prozent der Population gefangen wird – ungeborene Waljunge nicht mitgerechnet – winkt Rune Frovik ab und fragt, ob er ein Foto von uns machen dürfe. Wir lassen es zu.

Die Jagd sei notwendig, meint Rune Frovik, weil es sonst zu viele Zwergwale geben würde (ein häufig angeführtes Argument der Jagd-Lobby). Er bestreitet, dass sich ein Großteil der Schadstoffe im Fett und nicht im Fleisch befindet. Auf die Frage, warum Japan den gelieferten Speck wegen zu hoher Belastung nun zurückgewiesen hat, weicht er aus und sagt, er würde ja nicht Exportieren – und ja, es sei illegal! Möglicherweise bekommen wir in der nächsten Woche ein ausführliches Interview.

15. Juni : Nach drei Tagen Pause ist der Marktstand wieder geöffnet. Kunden für Walfleisch lassen sich aber nicht blicken. In der Fabrik ist es ruhig. Am Mittag absolvieren wir die ersten Testflüge mit unserer Drohne „Krake“.

16. Juni: Im Rahmen einer Routine-Kontrolle wollen wir nach Walen Ausschau halten, die sich zur Zeit im Vestfjord aufhalten. Seit die seismischen Tests ausgesetzt wurden, kehrt etwas Leben zurück. Vermutlich sind sogar zwei Buckelwale vor Ort! Dann machen wir einen Walfänger aus, der sich beim Auswerten des Filmmaterials als die Reinefangst entpuppt! Den Aktivitäten an Bord zufolge wurde kurz vorher wahrscheinlich ein Zwergwal erlegt. Zum Entladen fährt das Schiff aber nicht nach Svolvaer, sondern in die Fabrik Hopen Fisk AS bei Hopen.

17. Juni: Morgens fahren wir nach Hopen zur Fabrik Hopen Fisk AS. Wir können kurz zum Anleger vordringen und die Reinefangst identifizieren, werden dann aber schnell weggejagt. Per klettert auf den Berg, während Michael versucht, über den Sumpf eine freie Sicht zu bekommen. Dies gelingt, Per wird verständigt und wir können filmen, wie Walfleisch von Bord abtransportiert wird! Die Stücke sind unglaublich groß.

Nach dem Bearbeiten des Materials können wir die Rowenta 2 ausmachen, die voll beladen an Svolvaer vorbei direkt nach Reine fährt. Dies bestätigt unsere Vermutung, dass nun – in der „offiziellen“ Quoten-Zeit – wieder alle Fabriken in Betrieb gehen! (70 Prozent von ihnen arbeiten für Lofothval AS) Somit sind die Aussagen der Fabriken und Kontakte, dass nur in Svolvaer entladen werde, nicht mehr gültig. Das ist für uns ein Rückschlag, da wir in einem sehr kleinen Team arbeiten und nun Probleme bekommen werden, alle zu überwachen.

Am Wochenende findet kein Einsatz statt! In Svolvaer ist kein Betrieb und die restlichen Schiffe kommen erst Anfang der nächsten Woche. Wir suchen nun nach Helfern vor Ort, um größere Flächen abdecken zu können.

Drone Per Walfleisch second Foto first foto